300 Jahre bevor irgendjemand die Kirche urkundlich erwähnt, gibt es den Ort bereits.
Man lebte also schon eine Weile hier — offenbar auch ohne Stempel.
Die Kirche existiert — und jemand hat es endlich aufgeschrieben.
Was genau damals schon stand, weiß man nicht mehr so genau.
Dafür begann nun eine lange Tradition des Umbaues, Anbaues und Restaurierens.
Dobbeke von Morstitz und ihr Mann Walter von Offensen schenken der Wathlinger Kirche Güter — einer der frühesten belegten Akte von Großzügigkeit gegenüber der Gemeinde.
Ein dreiteiliger Altar entsteht: im Mittelrelief die Anbetung der Könige, in den Flügeln alle zwölf Apostel.
Außen Verkündigung, Geburt, Heimsuchung, Beschneidung.
Wer ihn gestiftet hat? Anonym. Respekt trotzdem.
Herzog Ernst der Bekenner, Fürst von Lüneburg, setzt die Reformation im Land durch — wie in anderen Orten des Fürstentums auch in Wathlingen, ohne größere Kämpfe.
Als erster lutherischer Geistlicher gilt Pastor Johannes Hering, der ab etwa 1567 amtierte.
Die Herren von Offensen und von Dageförde sorgten zumindest dafür, dass ihr Name in Stein gemeißelt blieb.
Drei Inschrifttafeln, zuletzt 1619 angebracht — und irgendwann restauriert, weil auch Steine altern.
Ein Großbrand vernichtet den Großteil von Wathlingen, darunter Pfarr- und Witwenhaus. Warum wir so wenig über die Kirche vor 1695 wissen? Genau deshalb.
Glücklicherweise überlebten zwei Kirchenrechnungsbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert — in einer Handschrift, die noch älter wirkt als die Ereignisse darin.
Der 30-jährige Krieg hatte schon genug Chaos verursacht; der Wiederaufbau des baufälligen Glockenturms zog sich dennoch über viele Jahre hin. 1704 schließlich:
Festgottesdienst, neuer breiter Dachreiter, zwei Glocken. Obendrauf ein Wetterhahn als Symbol für Petrus' menschliche Schwäche.
Kräftig gegliedert, barock, mit Wappen: Der Stifter Werner Ludwig von Lüneburg wollte offensichtlich nicht vergessen werden.
Die Orgel wurde von Christian Vater erbaut — der barocke Prospekt rahmt ihre Nachfolger bis heute.
Das im 15. Jahrhundert eingezogene Gewölbe im Chor hatte seine Zeit — 1818 wurde es durch eine schlichtere Flachdecke ersetzt.
Ein Eingriff, der den Zeitgeschmack des frühen 19. Jahrhunderts gut widerspiegelt.
1901 kommen die farbigen Kirchenfenster im Chor, 1907 schenkt Baron Alfons von Lüneburg eine neue Orgel.
Der Freiherr macht damit klar: Großzügigkeit kann durchaus auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben.
Lothar Wetzel aus Hannover nimmt eine Erweiterung und klangliche Umarbeitung der bestehenden Orgel vor — eine Zwischenstufe auf dem Weg zum späteren Neubau.
Jahrhundertelang übertüncht — dann freigelegt: Rankenkarabesken, kleine Figuren, Fabelwesen, katzenartige Geschöpfe aus dem 15. Jahrhundert.
Wer sie gemalt hat und warum auch Katzen drauf mussten: bis heute offen.
Die Kirchengemeinde gründet einen eigenen kirchlichen Kindergarten.
Aus dieser Einrichtung ist die heutige Kindertagesstätte Marienkäfer geworden — die Kirche als Mittelpunkt des Dorflebens, ganz praktisch gedacht.
Am 22. Dezember 1974 werden die alten Stahlgussglocken durch vier bronzene ersetzt — gegossen von den Gebrüdern Rincker in Sinn.
Ihre Inschriften: Lobgesang, Friedensgebet, Erinnerung und Freude.
Seither läuten sie pünktlich und klingen dabei deutlich besser.
Die bislang letzte umfassende Renovierung der Kirche findet statt. Nach Jahrhunderten des Umbaues, Anbaues und Restaurierens hält die Kirche auch im 20. Jahrhundert mit der Zeit Schritt.
Die Gebrüder Hillebrand Orgelbau aus Altwarmbüchen bauen die Orgel vollständig neu — mit mechanischer Traktur und Schleiflade. Das barocke Gehäuse und die Prospektpfeifen von 1707 bleiben erhalten.
Der Klang von 1976 ist bis heute zu hören.
Der westliche Eingangsbereich der Kirche wird neu gebaut und modernisiert. Die historische Fachwerkfassade bleibt erhalten — aber der Zugang wird zeitgemäß und einladender gestaltet.
Ein behutsamer Eingriff, der Alt und Neu verbindet.
Seit dem 1. Januar 2025 ist Pastor Tim-Fabian Albrecht in der Kirchengemeinde tätig.
Er begleitet die Gemeinde bei Gottesdiensten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und seelsorgerlichen Gesprächen — und freut sich, Glauben gemeinsam lebendig zu gestalten.